Banyalbufar – Mallorca
Orte & Küste

Banyalbufar auf Mallorca –
Terrassenfelder, Wein und das Meer

Maurische marjades, der legendäre Malvasier-Wein und ein Aussichtsturm über dem Mittelmeer – Banyalbufar ist Mallorcas authentischstes Küstendorf der Tramuntana.

9 Min. Lesezeit Juni 2026 Tramuntana · Westküste

Wichtigste Erkenntnisse

  • Banyalbufar liegt an der Westküste Mallorcas im Tramuntana-Gebirge, rund 25 km nordwestlich von Palma – einer der landschaftlich beeindruckendsten Orte der Insel.
  • Die maurischen Terrassenfelder (marjades) aus dem 10. Jahrhundert formen die typische Silhouette des Dorfes und stehen als Teil des UNESCO-Welterbes Tramuntana unter Schutz.
  • Der Malvasier-Wein (Malvasia de Banyalbufar) war einst über ganz Europa berühmt – lokale Bodegas bauen die Traube heute wieder an.
  • Die Torre de Ses Ànimes, ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung über dem Meer, ist einer der meistfotografierten Orte ganz Mallorcas.
  • Das Dorf hat nur rund 500 Einwohner – idealer Ausgangspunkt für Wanderungen entlang der Tramuntana-Küste und in Richtung Estellencs oder Esporles.

Banyalbufar ist eines jener Dörfer, das man einmal gesehen haben muss, um zu verstehen, warum das Tramuntana-Gebirge UNESCO-Welterbe ist. Der Ort klammert sich an steile Felshänge über dem Mittelmeer, eingebettet in ein System aus hunderten von Terrassenfeldern, die die Mauren vor über tausend Jahren in den Fels gemeißelt haben.

Banyalbufar – Mallorca
Banyalbufar mit seinen charakteristischen Terrassenfeldern (marjades) an der Westküste Mallorcas
Banyalbufar – Mallorca

Banyalbufar von oben – Terrassenfelder und türkisfarbenes Mittelmeer an der Tramuntana-Küste (YouTube)

Geschichte und Kultur: Die maurischen marjades

Der Name Banyalbufar leitet sich vom arabischen Wort für „Weinberg auf Klippen“ ab – eine treffendere Beschreibung könnte es kaum geben. Die Terrassenfelder, auf Mallorquinisch marjades genannt, wurden im 10. Jahrhundert von den Mauren angelegt und sind ein ingenieurtechnisches Meisterwerk: ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem aus Kanälen und Zisternen (sínies) verteilt Quellwasser bis heute millimetergenau auf jede Parzelle.

Nach der christlichen Rückeroberung im 13. Jahrhundert bauten Feudalherren das System aus und bepflanzten die Terrassen mit der Malvasia-Rebe. Der daraus erzeugte Malvasier-Wein wurde über Venedig in ganz Europa gehandelt und war zeitweise so berühmt wie der Wein von Madeira oder dem Rhein. Shakespeare erwähnte ihn, und der englische Adel importierte ihn fassweise.

Im 19. Jahrhundert vernichtete die Reblaus die Weinberge fast vollständig. Was übrig blieb, waren leere Terrassen und ein Dorf, das auf den Gemüseanbau umschwenkte – vor allem Tomaten, Paprika und Zucchini. Heute bauen einige lokale Produzenten die Malvasia-Traube wieder an und vertreiben den Wein regional.

Banyalbufar – Mallorca
Die maurischen marjades – Terrassenfelder aus dem 10. Jahrhundert, Herzstück von Banyalbufar
„Banyalbufar“ – arabisch für Weinberg auf Klippen. Tausend Jahre Geschichte in einem einzigen Wort.

Torre de Ses Ànimes – der meistfotografierte Wachturm Mallorcas

Wenige Kilometer nördlich des Dorfkerns, direkt an der Küstenstraße Ma-10, ragt die Torre de Ses Ànimes auf einem schmalen Felssporn 100 Meter über dem Meer auf. Der Wachturm wurde 1579 erbaut, um Küstenbewohner vor Piratenüberfällen zu warnen – ein System, das die gesamte Westküste Mallorcas mit Sichtkontakt verband.

Heute ist er das meistfotografierte Motiv der Tramuntana: Der runde Steinturm vor türkisblauem Wasser und grünen Pinien ist auf unzähligen Postkarten und Reiseblogs verewigt. Der Zugang ist über einen kurzen Wanderpfad ab der Straße möglich; die letzten Meter über den Felsen erfordern Trittsicherheit.

Der beste Zeitpunkt für Fotos ist kurz vor Sonnenuntergang, wenn das Licht warm und weich auf den Stein fällt. Im Sommer ist der Parkplatz an der Ma-10 stark frequentiert – früh aufbrechen lohnt sich.

Banyalbufar – Mallorca
Torre de Ses Ànimes (1579) – eines der ikonischsten Motive ganz Mallorcas

Cala Banyalbufar und das Baden im Dorf

Direkt unter dem Ort liegt die Cala Banyalbufar, eine schmale Bucht mit schwarzem Kieselstrand, die über eine steile Treppe erreichbar ist. Das Wasser ist kristallklar und tiefblau – aber der Strand ist klein und bei schönem Wetter schnell voll.

Alternativ eignet sich die Cala de Sa Pedra Longa, einen kurzen Wanderweg entfernt, für eine ruhigere Auszeit. Wer mehr Platz und Sand möchte, fährt 20 Minuten nach Sóller oder zur Platja des Port de Sóller.

Kristallklares Wasser, schwarze Kiesel, Stille – die Cala Banyalbufar ist kein Badestrand, sie ist ein Erlebnis.

Wandern, Weinproben und Aktivitäten

Banyalbufar liegt direkt am GR 221, dem Dry Stone Route, dem bekanntesten Fernwanderweg Mallorcas. Der Abschnitt zwischen Banyalbufar und Estellencs (ca. 2 Stunden) gehört zu den schönsten Küstentreks der Insel – mit Panoramablicken über Terrassenfelder und Meer.

Weinproben: Einige Familienbetriebe bieten Degustationen lokaler Malvasia-Weine an. Ein Besuch lohnt sich besonders im Herbst zur Weinlese.

  • GR 221 Richtung Estellencs – ca. 2 Stunden, leicht bis mittel, spektakuläre Küstenpanoramen
  • GR 221 Richtung Esporles – ca. 3,5 Stunden, Inneres der Tramuntana, Olivenhaine und Quellen
  • Torre de Ses Ànimes – Kurzwanderung ab Ma-10, 15 Minuten, felsig
  • Cala Banyalbufar – 10–15 Minuten Abstieg, Treppe, festes Schuhwerk empfohlen

Restaurants, Übernachtung und Anreise

Im Ort gibt es einige kleine Restaurants mit Blick auf die Terrassenfelder oder das Meer – die mallorquinische Küche steht im Vordergrund. Reservierung im Sommer empfohlen.

Unterkünfte: Einige kleine Hotels und Fincas im Ort, ideal für ruhige Paare und Wanderer. Der Ort selbst hat keinen großen Touristenbetrieb – genau das macht seinen Reiz aus.

AnreiseInfo
Auto ab Palmaca. 40 Min. über Ma-1 und Ma-10
Bus (TIB)Linie 200 Palma–Banyalbufar (saisonal)
FahrradMa-10 ist ein beliebter Radweg – anspruchsvoll, Serpentinen
ParkenKleiner Parkplatz im Ort, früh kommen
Beste ReisezeitMärz–Mai, Sept.–Okt. (weniger Andrang, milde Temperaturen)

Banyalbufar in Bildern

FAQ – Häufige Fragen

Banyalbufar liegt an der Westküste Mallorcas im Tramuntana-Gebirge, etwa 25 km nordwestlich von Palma. Die Küstenstraße Ma-10 verbindet den Ort mit Estellencs im Norden und Esporles im Süden.

Die marjades sind maurische Terrassenfelder aus dem 10. Jahrhundert, die in steile Hänge gehauen wurden. Sie sind Teil des UNESCO-Welterbes Tramuntana und zeugen von einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, das auch heute noch funktioniert.

Ja – die Cala Banyalbufar ist direkt unterhalb des Dorfes erreichbar. Der Kieselstrand ist klein, das Wasser aber kristallklar. Für einen größeren Sandstrand fährt man 20 Minuten zum Port de Sóller.

Malvasia de Banyalbufar ist eine lokale Rebsorte, die einst über ganz Europa exportiert wurde. Nach Vernichtung durch die Reblaus im 19. Jahrhundert wird sie heute von einigen Familienbetrieben wieder kultiviert. Weinproben sind im Ort möglich.

Ja – die TIB-Linie 200 verbindet Palma saisonal mit Banyalbufar. Im Sommer gibt es regelmäßige Verbindungen; außerhalb der Hauptsaison ist ein Auto empfehlenswert.

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